Schäden an der Psyche eines Kindes

«Sexualkunde: Ab welchem Alter ist sie sinnvoll?», Ausgabe vom 3. März

Der Sexualkundeunterricht in der Schule als Ergänzung zur Aufklärung durch die Eltern ist unbestritten und wichtig: Sexuellen Übergriffen, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten muss präventiv durch Aufklärung entgegengewirkt werden. Aber die Sexualisierung unserer Gesellschaft hat in Kindergärten nichts zu suchen.

Ein Kind soll frei von jeglichem Drang, sich mit der Sexualität auseinandersetzen zu müssen – wenn es noch nicht von sich aus dafür bereit ist – aufwachsen dürfen. Ist eine Neugier da, soll darauf eingegangen werden, sowohl von Eltern als auch von Lehrerinnen und Lehrern. Aber kein Kind, welches noch nicht bereit dafür ist, darf dazu gezwun- gen werden. Aufklärung ist wichtig und kann vor sexuellen Übergriffen schützen. Doch Missbrauchsprävention ist keinesfalls mit sexueller Aufklärung gleichzusetzen. Ein Kind braucht kein detailliertes Bild eines Geschlechtsteils, um zu wissen, dass Fremde es nicht an Intimzonen berühren dürfen.

Im Übrigen werden sexuelle Übergriffe nicht nur von Erwachsenen verübt. Auch unter Kindern und Jugendlichen kommen diese vor und können gravie- rende Schäden an der Psyche eines Kindes anrichten. Lässt man Kinder im Kindergarten mit Plüschpenissen und Plüschvaginen spielen, wird nichts anderes erreicht, als dass solche Vorfälle sogar provoziert werden. Mein Sohn soll im Kindergarten mit Autos spielen und Bilder von Regenbögen malen und sich keine Gedanken über Geschlechtsverkehr machen müssen.

ELIAS MEIER, KANTONSRATSKANDIDAT JCVP, NOTTVVIL
Neue Luzerner Zeitung

Leserbrief: Sexualkunde übers Ziel hinausgeschossen

Aus der Surseer Woche vom 12.3.15

Der Sexualkundeunterricht in der Schule als Ergänzung zur Aufklärung durch die Eltern ist unbestritten und wichtig: Sexuellen Übergriffen, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten muss präventiv durch Aufklärung entgegengewirkt werden. Aber die « Sexualisierung unserer Gesellschaft» hat in Kindergärten nichts zu suchen! Ein Kind soll frei von jeglichem Drang, sich mit der Sexualität auseinandersetzen zu müssen – ohne dass es von sich aus dafür bereit ist – aufwachsen dürfen. Ist eine Neugier da, soll darauf eingegangen werden, sowohl von Eltern als auch von Lehrerinnen und Lehrern. Aber kein Kind, das noch nicht bereit dafür ist, darf dazu gezwungen werden. Aufklärung ist wichtig und kann vor sexuellen Übergriffen schützen. Doch Missbrauchsprävention ist keinesfalls mit sexueller Aufklärung gleichzusetzen. Ein Kind braucht kein detailliertes Bild eines Geschlechtsteils, um zu wissen, dass Fremde es nicht an Intimzonen berühren dürfen. Im Übrigen werden sexuelle Übergriffe nicht nur von Erwachsenen verübt. Auch unter Kindern und Jugendlichen kommen diese vor und können gravierende Schäden in der Psyche eines Kindes anrichten. Lässt man Kinder im Kindergarten mit Plüschpenissen und Plüschvaginas spielen, wird nichts anderes erreicht, als dass solche Vorfälle sogar provoziert werden. Mein Sohn soll im Kindergarten mit Autos spielen und Bilder von Regenbögen malen und sich keine Gedanken über Geschlechtsverkehr machen müssen!

ELIAS MEIER, NOTTWIL

«Wir müssen diese Entwicklung jetzt stoppen»

SVP-Nationalrätin und Mitinitiantin Andrea Geissbühler findet, bei der Sexualkunde sollte alles bleiben, wie es ist.

Was ist das konkrete Ziel, das Sie mit der Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» anstreben?
Andrea Geissbühler: Wir wollen verhindern, dass im Vorschulalter eine obligatorische Frühsexualisierung stattfindet, wie das in Basel seit 2011 getestet wird. Es ist die erklärte Absicht aller Fachleute, dieses Konzept landesweit umzusetzen. Das wollen wir nicht. Sexualität ist für Kinder im Kindergarten und in der Primarschule kein Thema und Sache der Eltern. Wird den Kindern bei diesem sensiblen Thema etwas aufgezwungen, nimmt ihr natürliches Schamgefühl Schaden, was verheerend ist. Zudem wäre das Ganze enorm teuer, da es ja unbedingt studierte Sexualpädagogen sein müssen, die den Unterricht erteilen. Dieses Geld können wir uns sparen.
Das heisst, mit dem Sexualkundeunterricht, wie er heute überall ausser in Basel betrieben wird, haben Sie keine Probleme.
Ja. Man soll einfach so weitermachen wie bisher. Sexualkunde ab zwölf Jahren ist offenbar wirklich notwendig, weil sich viele Eltern nicht die Zeit nehmen, mit ihren Kindern über diese Themen zu sprechen.
Warum sind Sie so sicher, dass geplant ist, das Basler Konzept schweizweit einzuführen?
Wir haben in der Kommission viele Experten angehört – und mit einer einzigen Ausnahme hat sich niemand vom Basler Konzept distanziert. Alle fanden, man müsse mit der Sexualkunde unbedingt bereits im Kindergarten anfangen. Darin waren sich das Bundesamt für Gesundheit und alle angehörten Kinder- und Jugendorganisationen einig.
Aber die entscheiden nicht, was an der Schule unterrichtet wird. Das tun die Kantone. Und die sagen, es werde keine Sexualerziehung im Kindergarten geben.
Die Kantone wurden nicht angehört. Es ist unklar, ob andere Kantone das Basler Konzept übernehmen wollen. Wenn sich die Experten in Verwaltung, Fachverbänden und Jugendorganisationen verbünden und dieses Projekt durchdrücken, dann kommt diese Frühsexualisierung. Deshalb ist unsere Initiative so wichtig. Wir müssen diese Entwicklung jetzt stoppen.
Laut dem Bundesrat würde Ihre Initiative grosse Teile des heutigen Sexualkundeunterrichts, an dem auch Sie sich nicht stören, verhindern. Ist die Initiative strenger, als Sie meinen?
Nein. Wer sie richtig liest, merkt, dass wir den Status quo erhalten wollen. Im Kindergarten ist Prävention- weiterhin möglich. Es ist wichtig, den Kindern zu sagen, dass sie nicht mit fremden Leuten mitgehen dürfen oder dass sie Nein sagen sollen, wenn ihnen eine Berührung unangenehm ist. Mehr ist nicht nötig. Man muss keine Geschlechtsteile benennen und berühren, um die Kinder zu sensibilisieren.

Interview: fab

Berner Zeitung vom 4. März 2015.

Sexualkunde: Ab welchem Alter ist sie sinnvoll?

Morgen berät der Nationalrat über die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule». Die Vorlage sieht vor, dass Sexualerziehung ab neun Jahren freiwillig und ab zwölf Jahren obligatorisch unterrichtet wird. Der Bundesrat kritisiert die Vorschläge: Teile der Forderungen seien bereits erfüllt – andere würden die Präventionsarbeit erschweren.

«Aufklärung ist Sache der Eltern»

BEFÜRWORTER Nationalrat Sebastian Frehner (SVP, Basel-Stadt) kämpft an vorderster Front gegen den Sexualkundeunterricht in den Schulen.

Herr Frehner, Sie wollen mittels Volksinitiative Kinder vor einer angeblichen Sexualisierung im Kindergarten und in der Primarschule schützen. Ist das überhaupt notwendig?
Sebastian Frehner: Natürlich, sonst hätten wir das ja nicht lanciert. Wir bekämpfen keine Phantome.
Gerade das wird Ihnen von den Gegnern der Initiative, unter anderem auch vom Bundesrat, vorgeworfen: dass Sie ein Phantom bekämpfen.
Frehner: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wollte 2011 einen flächendeckenden obligatorischen Sexualunterricht ab dem Kindergarten einführen. Ein Leitfaden dafür war bereits in Auftrag gegeben. In Basel-Stadt waren wir wohl so etwas wie das Versuchskaninchen mit den sogenannten Sex-Koffern. Damit sollten Kindergärtler aufgeklärt werden. Es gab darin Sachen und Vorschläge, die einfach nicht stufengerecht waren. Wir haben gefunden: Nein, so wollen wir das nicht. Deshalb haben wir die Initiative lanciert.
Sexualerziehung soll laut lnitiativtext Sache der Eltern sein. Das ist schon heute Praxis, und auch mit dem Lehrplan 21 wird sich daran nichts ändern.
Frehner: Im Lehrplan 21 hat man zurückbuchstabiert, das stimmt. Doch die Pläne des BAG liegen noch nicht lange zurück, und sie waren mit den heutigen Rechtsgrundlagen möglich. Mit unserer Initiative setzen wir Leitplanken, auch für die Zukunft. Sonst kann das BAG jederzeit wieder kommen und einen entsprechenden Auftrag erteilen.
Ihr Initiativtext lässt viele Fragen offen. Die Begriffe sind nicht einheitlich, die Altersgrenzen nicht klar, die Umsetzung dürfte organisatorisch in den Schulen sehr schwierig werden. Man wird den Eindruck nicht los, dass diese Initiative als Drohgebärde für die Ausarbeitung des Lehrplans 21 gedacht war, die ihren Zweck schon erfüllt hat.
Frehner: Nein, das ist nicht so. Die vorgesehenen Leitplanken sind auch weiterhin wichtig, damit die Behörden wissen, woran sie sich zu halten haben.
Eine dieser Leitplanken hätte laut dem Bund zur Folge, dass gewisse Präventionsmassnahmen verunmöglicht würden. Etwa der Beizug externer Experten bei Themen wie Jugendschwangerschaft oder Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Sie nehmen in Kauf, wirkungsvolle Prävention zu verhindern. Ist das in Ihrem Interesse?
Frehner: Natürlich nicht, das ist Blödsinn. Die Initiative sagt ausdrücklich, dass Präventionsunterricht ab dem Kindergarten möglich sein soll. Aber bitte stufengerecht. Vierjährige müssen nicht schon den Unterschied zwischen hetero- und homosexuell kennen.
Was stört Sie denn grundsätzlich daran, dass der Staat Aufklärungsarbeit macht?
Frehner: Mein Grundsatz lautet: Das müssen die Eltern übernehmen. Ich bin ein liberaler Mensch und finde, dass das nicht Sache des Staats ist. Er soll generell so wenig machen, wie es nötig ist. Das gilt auch für die Erziehung der Kinder. Ich wurde von den Eltern aufgeklärt, später sprach man in der Schule darüber. So soll das weiterhin sein.
Sie sind 41 Jahre alt, einiges hat sich verändert seit Ihrer Kindheit. Etwa der Zugang zu sexuellen Inhalten. Muss die Schule nicht helfen, damit umzugehen?
Frehner: Das ist alles richtig, die Welt hat sich verändert, doch ich bleibe dabei: Das ist eine Aufgabe der Eltern.
Was passiert in den Familien, in denen die Eltern keine Zeit haben – oder die schlicht nicht gegen den Wissensvorsprung ihrer Kinder ankommen?
Frehner: Es ist eine Tendenz in unserer Gesellschaft, dass man sich immer an jenen orientiert, bei denen es nicht klappt. Betroffen sind aber immer auch die Mehrheiten, bei denen alles funktioniert. Zudem sieht die Initiative ja Sexualkunde ab dem neunten Lebensjahr vor, einfach auf freiwilliger Basis.

Bote der Urschweiz vom 3. März 2015

Grundlagen für Sexualpädagogik und Prävention auf dem Prüfstand

Bundesrat will Expertengruppe einsetzen

Der Bundesrat will die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von einer Expertengruppe
untersuchen lassen. Diese soll auch die Grundlagen und Materialien unter die Lupe nehmen, auf welche die
Stiftung Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGS) ihre Präventions- und Pädagogikangebote stützt.

Der Bundesrat ist bereit, ein Postulat des Tessiner CVP-Nationalrats Fabio Regazzi anzunehmen. Dieser
hatte Zweifel an den Aussagen des Bundesrats angemeldet, dass die sexualisierten Bilder der „Love Life“-
Kampagne Minderjährigen nicht schadeten und auch keinen Einfluss auf die sexuelle Entwicklung hätten.

Der Bundesrat stützte sich dabei auf die Auffassung der SGS, mit welcher das Bundesamt für Gesundheit
zusammenarbeitet. Deren Thesen zur sexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen seien aber unter
Experten sehr umstritten, kritisiert Regazzi. Er fordert den Bundesrat daher auf, diese Grundlagen durch eine
unabhängige Expertenkommission aus Medizinern, Entwicklungspsychologen und Allgemeinpädagogen
überprüfen zu lassen.

Der Bundesrat ist bereit, den Auftrag entgegenzunehmen, wie er in der am Donnerstag veröffentlichten
Postulatsantwort schreibt. Er erinnert daran, dass sich viele Experten und Organisationen in der Schweiz auf
die von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelten Standards zur Sexualaufklärung stützten. Er sei
aber bereit, die wissenschaftlichen Grundlagen in dem Bereich zu vertiefen.
An öffentlicher Aufmerksamkeit hat es der „Love Life“-Kampagne nicht gefehlt: Der Film dazu wurde über eine
Million Mal angeschaut, die Website verzeichnete 365’000 Besucher, wie der Bundesrat in der Antwort auf
eine Interpellation von Nadine Masshardt (SP/BE) schreibt. Das „Love Life“-Manifest sei 170’000 Mal
unterzeichnet worden.

In einer Befragung des Instituts GfK bei 600 Personen in der deutschen und französischen Schweiz im Herbst
2014 konnten sich 80 Prozent der Personen daran erinnern, die Kampagne gesehen zu haben. 81 Prozent
aller Befragten unterstützen sie. Es sei gelungen, HIV und Safer Sex als wichtiges Thema in der öffentlichen
Diskussion zu halten, schreibt der Bundesrat.

sda die Nachrichtenquelle, 12.02.2015

Einsatz für altersgemässen Sexualkundeunterricht und Elternrechte!

Zwei mutige Elternpaare gingen bis vors Bundesgericht. Damit setzten sie sich für die sexuelle Unversehrtheit vieler Kinder und die Elternrechte ein!
Die Basler Eltern wollten erreichen, dass sie ihre Kinder im Kindergarten und in den ersten zwei Primarklassen vom Sexualkundeunterricht dispensieren können. Das ablehnende Bundesgerichtsurteil anerkannte zwar, dass Sexualkundeunterricht in das Erziehungsrecht der Eltern, in den Schutz des Familienlebens und in die Glaubens- und Gewissensfreiheit eingreift. Hingegen sei von einem bloss «leichten» Eingriff auszugehen. Das Bundesgericht hält den Unterricht für verhältnismässig, bemerkt aber völlig widersprüchlich, dass sich das öffentliche Interesse auch erreichen liesse, wenn der Unterricht erst «in höheren Klassen erteilt würde». Das Bundesgericht erkannte nicht, dass gerade das Vorliegen eines Lehrplans mit Lernzielen für Sexualkundeunterricht in Basel-Stadt den Beweis für systematischen und nicht nur reaktiven Sexualkundeunterricht darstellt. (http:// schutzinitiative.ch/1412/medienmittei- lung-bundesgericht-lehnt-dispensations- gesuche-ab-obwohl-es-sexualkundeun- terricht-4-bis-8-jaehrige-fuer-unnoetig- haelt)

Die gleichen Eltern setzen sich mit der Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» für einen nicht vor dem neunten Altersjahr erteilten Sexualkundeunterricht ein. Die Initiative kommt voraussichtlich im Frühjahr 2016 zur Abstimmung. Die mutigen und kämpferischen Eltern halten sich offen, den Fall an den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiterzuziehen. Mögen ihnen die Kraft, Zeit, moralische Unterstützung und das Geld dazu nicht ausgehen!

Standpunkt, 6.1.2015

SVP-Nationalrat hält Sexualkunde in der 5. Klasse für illegal

Niederrohrdorf Bildungsdepartement sagt, die gesetzlichen Vorgaben seien erfüllt VON FABIAN HÄGLER Seit dem Schuljahr 2009/10 gibt es an der Kreisschule Rohrdorferberg für die 5. Klassier obligatorischen Sexualkunde-Unterricht. Für Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Basel-Land und Co-Präsident der Initiative «zum Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» ist dies ein Skandal: «Die Sexualkunde in Niederrohrdorf ist illegal. Die Androhung, der Unterricht sei obligatorisch, ist zudem rechtsmissbräuchlich», hält er in einer schriftlichen Reaktion auf den Artikel in der az vom 9. Dezember fest. Frehner verweist auf einen Entscheid des Bundesgerichts im Zusammenhang mit den Sex-Boxen in Basel. Dieser fiel aus seiner Sicht negativ aus, die Richter lehnten Beschwerden von zwei Familien ab, die ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht dispensieren wollten.

Bundesgericht setzt Leitplanken Dennoch sieht Frehner im Urteil aus Lausanne mehrere Punkte, die seine Meinung stützen. Laut dem Bundesgericht sei Sexualkundeunterricht «nur bei Vorliegen einer gesetzlichen Grundlage erlaubt», schreibt der SVP-Nationalrat und Jurist. Und weiter: «Wird die Sexualkunde nur im Lehrplan erwähnt und nicht im formellen Schulgesetz, so ist nur reaktiver Unterricht im Sinn der Beantwortung von Fragen erlaubt.» Verboten sei hingegen ein systematischer Sexualkundeunterricht. Frehner kritisiert, im Fall von Niederrohrdorf sei die Sexualkunde weder im Schulgesetz, noch im Lehrplan ausdrücklich erwähnt. Die obligatorischen Sexualkundelektionen für die 5.

Klässler seien deshalb unzulässig. «Gesetzgeber und Exekutive des Kantons sind gefordert, die Rechtmässigkeit des Unterrichts wieder herzustellen», fordert Frehner. Schuldepartement bleibt locker Doch das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), dem mit Alex Hürzeler ein Parteikollege von Frehner vorsteht, sieht keinen Flandlungsbedarf. «Wir sind auch nach dem Bundesgerichtsurteil der Meinung, dass der Sexualkunde-Unterricht in Niederrohrdorf zulässig ist», sagt Simone Strub, stellvertretende Kommunikationschefin. Es handle sich nicht um institutionalisierten Unterricht mit fixen Lernzielen. Die Schulen am Rohrdorferberg hätten diesen Weg gewählt, um den Kindern das Thema altersgerecht zu vermitteln und ihre Fragen zu beantworten.

«So ist die Vorgabe des Bundesgerichts erfüllt, dass Sexualkunde reaktiv vermittelt werden muss und ein systematischer Unterricht auf dieser Altersstufe nicht erlaubt ist», so Strub. In erster Linie gehe es darum, den Kindern aufzuzeigen, wie sie ihren Körper wahrnehmen und wie sie sich gegen Übergriffe abgrenzen können. Victor Brun, Sektionsleiter der Abteilung Volksschule im BKS, sagte der az schon vor zwei Wochen: «In den Primarschulen und Kindergärten im Aargau findet nur reaktiver Sexualkundeunterricht statt.» Damit verfolge der Lehrplan eine eher defensive Strategie in der Aufklärung der jungen Schüler. Dieser Ansatz habe sich bewährt und bis jetzt keine Entrüstung oder negative Reaktionen ausgelöst, führte Brun aus. Eltern reagierten positiv Arnada Caminada, Schulleiterin der Primarschule Niederrohrdorf, bestätigt dies.

«Als wir die obligatorische Sexual pädogogik einführten, gab es kritische Stimmen aus der Lokalpolitik. Dabei ging es aber weniger um den Inhalt des Angebots, sondern mehr um die Kosten, die von den Gemeinden am Rohrdorferberg getragen werden.» Nur einmal habe sich ein Vater bei ihr gemeldet und kritisiert, sein Sohn komme mit schmutzigen Ausdrücken nach Hause und die Sexualpädagogik verführe die Kinder dazu, mit anderen Sex zu haben. «Ich habe ihn zu einem Gespräch eingeladen und ihm Konzept und Zweck des Angebots erklärt. Schliesslich besuchte sein Sohn den Unterricht und der Vater hat sich nachher sehr bedankt bei uns», sagt Caminada. Ansonsten seien durchwegs alle Eltern dankbar für das Angebot, «negative Rückmeldungen gibt es keine».

Dispensationsgesuche seine bisher keine eingegangen, erklärt Caminada. Wie würde sie auf ein solches Gesuch reagieren? «Ich würde das Gespräch suchen und den Eltern aufzeigen, was sie ihrem Kind vorenthalten, wenn sie dieses von der Sexualpädagogik dispensieren lassen möchten», sagt die Schulleiterin. Dispensationsgesuche müssten im Einzelfall genau angeschaut werden. «Ich habe aber keine Angst, dass nach der Kritik von Herrn Frehner nun viele Eltern ihre Kinder von der Sexualpädagogik dispensieren lassen», sagt sie. Braucht es Sexualkunde in der 5. Klasse? Diskussion auf www.

aargauerzeitung.ch INITIATIVE GEGEN FRÜHSEXUALISIERUNG Das würde ein Ja zur Initiative ändern ebastian Frehner (SVP, Basel- 2. Die externe Fachperson müsste Land) ist Co-Präsident der Ini- den Sexualkunde-Unterricht an die tiative «zum Schutz vor Sexua- Klassenlehrerin abtreten – damit lisierung in Kindergarten und Pri- garantiert wird, dass nach dem Untermarschule». Er hofft trotz Ableh- rieht noch eine Vertrauensperson da nung durch den Bundesrat auf ein ist, die den Eltern Auskunft gibt. Ja und erklärt, was dann in Niederrohrdorf geändert werden müsste. 3.

Wenn die externe Fachperson Biologie erteilen darf, könnte sie ab dem 1. Der Unterricht dürfte nicht 12. Altersjahr «wertneutral über Fortobligatorisch sein, er könnte aber Pflanzung und Entwicklung und z.B. bereits ab dem 9. Altersjahr auf über die Gefahren der sexuell überfreiwilliger Basis erfolgen.

Aargauer Zeitung, 19.12.14

Sie kommen zu Wort

Soll im Kindergarten Sexualunterricht erteilt werden?

Soll im Kindergarten Sexualunterricht erteilt werden? Sendung «Club» v. 3.6.2014 im Schweizer Fernsehen DRS. Die Eingeladenen waren gerecht verteilt. Drei votierten für, und drei gegen die pflichtgemässe «Aufklärung» im Kinder- garten. Moderatorin Monika Vetsch bemühte sich neutral zu sein. Mir fehlte aber die Dimension des Religiösen. Wenn ich jetzt erwähne, dass Adam und Eva nach dem Sündenfall ihre Scham bedeckt haben, (1. Mose 3,7) werde ich in dieser scham- losen Gesellschaft wohl nur belächelt. Aber diese Stelle wurde von den Theologen immer für tief bedeutsam gehalten. Und Sigmund Freud hat schon gesagt: «Der Verlust der Scham ist das erste Zeichen von Schwachsinn». Davon, dass jedes Kind von Natur aus ein Schamgefühl hat, war nichts zu hören. Dieses ist nur Menschen eigen. Tiere schämen sich nicht. Wenn man die Bilder sieht, die 4 – 5 jährigen Kindern zugemutet werden, ist das keine Bildung, sondern man verführt sie zur Scham- losigkeit. Wenn in der Tagesschau von SRF um 19.30h, unter dem Vorwand der Aids-Prävention eine Kindergärtnerin vor den Kindern einen hölzernen erigierten Penis in Länge und Umfang ausmisst, so ist das eine Schweinerei. {…1 Solchen Auswüchsen will die Initiative «Schutz vor Sexua- lisierung im Kindergarten und Primarschule» vorbeugen. Eine ganzheitliche Sexualaufklärung müsste den Kindern beibringen, dass Sexualität eine von Gott gegebene Gabe ist, die verantwortungsvoll eingesetzt werden muss (dies wäre zudem der beste Schutz gegen Aids).
Alois Juchli, Freidorf

Rücksichtnahme auf das einzelne Kind

Sexualunterricht – bitte mehr Gelassenheit         BaZ 19.6. 14

Wenn eine Argumentation der Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kinder- garten und Primarschule» ernst zu nehmen ist, dann jene, die Markus Melzl ein Scheinargument nennt – jedes Kind hat einen anderen Entwicklungsstand, und darauf ist zwingend Rücksicht zu nehmen. Melzl beruft sich, als Nicht-Experte in Pädagogik, auf Gepflogenheiten der Schule. Diese richtet Lehrpläne nach wie vor auf Kinder gleichen Jahrgangs aus, obwohl die Forschung zeigt, dass Kinder in ihrer Altersgruppe in ihren verschiedenen Fähigkeiten sehr unterschiedlich weit entwickelt sein können (1. Zürcher Longitudinalstudie 1955- 1975. 2. Zürcher Longitudinalstudie 1975-1995). In Deutschland und in der Schweiz entstehen zunehmend schulische Angebote, die sich dieser Erkenntnis verpflichten, mit individualisiertem Lernangebot Kindern gerecht zu werden. Sexualaufklärung muss sein, nicht erst im Kindergarten, sondern vorher – aber immer dem Kind entwicklungsan- gemessen, im Sinn der von der Initiative geforderten individuellen Rücksichtnahme auf das einzelne Kind.

Margrit Hungerbühler-Räber, Basel,
Ko-Leiterin F-Netz Nordwestschweiz