Aufklärung: Lehrbuch schreckt Kritiker auf

aus der 20 minuten vom 21.06.2016


Nach Lehrbuch: Schüler sollen Analsex in Theaterstück nachspielen

ZÜRICH. Laut einem Lehrbuch sollen Schüler ein «Puff für alle» bauen oder Analsex nachspielen. Das sorgt für Kopfschütteln.

Das Praxisbuch «Sexualpädagogik der Vielfalt», das in den Kantonen Zürich und Basel für den Sexualkundeunterricht empfohlen wird, sorgt für rote Köpfe. Darin thematisiert werden unter anderem Darkrooms oder Sadomasochismus. Empfohlen wird auch, in einem Theaterstück Praktiken wie Analsex darzustellen. Hilfsmittel für die jungen Schauspieler: Dildos und Vaginalkugeln. Auch sollen die Schüler ein «Puff für alle» bauen, wo sexuelle Praktiken wie der «Blowjob» oder «Cunnilingus» dargestellt werden. Das Unterrichtsmaterial richtet sich an Sekundarschüler, der Kanton Zürich empfiehlt es ab 14 Jahren.

Evaluiert wurde es unter anderem von der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH). Wie häufig die Empfehlungen tatsächlich von Lehrern umgesetzt werden, weiss man nicht. Fakt ist aber, dass Lehrer die Möglichkeit haben, auf das Material zuzugreifen. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist empört. «Dieses Buch hat nichts im Sexualkundeunterricht zu suchen, die entsprechenden Kantone müssen es schnellstens aus dem Verkehr ziehen.» Für manche Jugendlichen wären solche expliziten Inhalte normal, doch für andere wäre eine Simulation von Analsex die reinste Tortur, mit Schamfaktor hoch zehn.

Auch Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands, findet: «Dieses Buch überschreitet eine Grenze.» Sie vertraue aber darauf, dass die Lehrkräfte diese expliziten Praktiken nicht verwenden würden.
Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, stellt sich hinter das Buch: «Ich denke, Lehrkräfte und Fachpersonen fürSexualkunde können sehr wohl einschätzen, wann eine Übung angemessen ist und wann nicht.» Auch die Kantone hätten sich bei der Empfehlung wohl etwas überlegt.

«Längst nicht alles ist für die Schule geeignet»

Herr Geiser*, ist das Buch für den Schulunterricht geeignet? Das Buch zeigt Möglichkeiten auf, wie man den Sexualkundeunterricht gestalten könnte. Dabei ist längst nicht alles für den Unterricht geeignet. Wenn man Sexualpraktiken als Pantomimenspiel vorführt, muss dies pädagogisch begründet sein, das ist in der Schule nicht der Fall.

Wieso wird dann dieses Buch empfohlen? Es geht im Buch um sehr viel mehr als Pantomimenspiele und dergleichen, diese sind nur ein kleiner Aspekt. So werden auch die Themen Liebe und Beziehung darin thematisiert, Jugendliche können diskutieren, was Liebe für sie bedeutet, wie sie Machtverhältnisse in Beziehungen erleben, und sie können sich mit verschiedenen Beziehungsmodellen auseinandersetzen. Wo finden denn die expliziteren Beispiele Anwendung? Es gibt ja auch noch ausserschulischen Angebote oder Präventionsveranstaltungen, wo solche Themen aufgenommen werden können. Auch hier müssen die Beispiele aber didaktisch Sinn machen.

*Lukas Geiser ist Dozent fürSexualpädagogik an der PHZH

 

 

Verein «Schutzinitiative» gegründet!

aus dem Standpunkt EDU UDF vom 08.03.2016

Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» wurde zurückgezogen

Die Ziele der Initiative werden weiterverfolgt. Besorgte Eltern sollen einen starken Partner haben, der sich auf allen gesellschaftspolitisch relevanten Ebenen für den Schutz unserer Kinder vor ideologisch motivierten sexualpädagogischen Experimenten einsetzt. Am 30. Januar 2016 wurde deshalb der Verein «Schutzinitiative» in Olten gegründet.

Die Eidgenössische Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» wurde im Dezember 2013 mit 110 000 gültigen Unterschriften eingereicht und von der Bundeskanzlei für formell zustande gekommen erklärt. Ziel der Volksinitiative war, Kinder im Kindergarten und in den ersten zwei Klassen der Primarschule vor obligatorischem Sexualkundeunterricht zu schützen. Dies nicht aus Motiven einer «hinterwäldlerischen Prüderie», sondern aus echter Besorgnis, dass sogenannte Sexualpädagogen mit Experimenten, welche sowohl wissenschaftlich, wie auch moralisch jeglicher Grundlage entbehren, unsere Kinder einer Frühsexualisierung unterziehen, die rein ideologisch begründet ist und letztlich nur einem Ziel dient – der Zerstörung der traditionellen Familie. 


Schutz für Kinder

Das Initiativkomitee hat entschieden, die Volksinitiative zurückzuziehen und das Komitee in einen Verein umzuwandeln. Grund dafür war die Feststellung, dass die Initiative allein schon durch das Zustandekommen viel bewegt hat. So wurde z. B. das «Kompetenzzentrum für Sexualpädagogik» in Luzern geschlossen und der Lehrplan 21 der Deutschschweizer Kantone enthält keinen Sexualkundeunterricht mehr vor demvollendeten 10. Altersjahr. Eine weitere Begründung lag in der Befürchtung, dass ein allfälliger Misserfolg an der Urne diesen destruktiven Kräften eine folgenschwere Legitimation verschafft hätte.

Der Vereinsvorstand wird von mehreren national bekannten Politgrössen angeführt. Das Präsidium hat alt Nationalrat Toni Bortoluzzi (SVP/ZH) übernommen Ihm zur Seite stehen u. a. die beiden Nationalrätinnen Roberta Pantani (Lega/ TI) und Verena Herzog (SVP/TG) sowie der ehemalige Co-Präsident des Initiativkomitees Nationalrat Dr. Sebastian Frehner (SVP/BS). Der Verein setzt sich aktiv für den Schutz vor Sexualisierung von Kindern in Kindergarten und Primarschule ein. Er bekämpft insbesondere obligatorischen Sexualkundeunterricht für Kinder vor dem vollendeten 9. Altersjahr, nicht aber eine altersgemässe Sexualaufklärung zur Vermittlung von Wissen über die menschliche Fortpflanzung und Entwicklung, sowie Unterricht zur Prävention von Kindsmissbrauch ab dem Kindergartenalter. Darüber hinaus wendet er sich gegen jeden nicht altersgemässen Sexualkundeunterricht für Kinder auch in höheren Stufen der Volksschule.


Enthemmte Gesellschaft

An der Gründungsversammlung vermittelte uns Frau Tabea Freitag, Diplompsychologin und Psychotherapeutin, mit ihrem Referat einerseits einen Einblick in die höchst bedenklichen Entwicklungen hinsichtlich Pornografiekonsum von Kindern und Jugendlichen und deren Folgen für die Gesellschaft, andererseits konnte sie u. a. anhand ihres Buches «Fit for Love» überzeugend aufzeigen, wie altersgerechter und beziehungsorientierter Sexualkundeunterricht aussehen kann. Bezeichnend für die Wahrnehmung in der Gesellschaft titelte die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) in ihrer Medienmitteilung: Verein «Schutzinitiative» kämpft gegen Sexualkundeunterricht. Diese Sichtweise spiegelt das Unvermögen, z. B. dem Begriff «Scham», eine ideologiefreie Bedeutung zuzuordnen. Anstelle einer Schutzfunktion für die psychosoziale Integrität unserer Kinder, wird der Begriff als Markenzeichen einer «lustfeindlichen Verklemmtheit» missinterpretiert.

 


Lehrplan-Anhänger schaffen Tatsachen

aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 23.02.2016

Initiative «Lehrplan vors Volk» ist zustande gekommen –
Bildungsinstitutionen machen weiter

Der umstrittene Lehrplan 21 muss möglicherweise dem Parlament oder dem Volk unterbreitet werden. Dennoch wird das Projekt vorangetrieben – zum Ärger der Lehrplan-Gegner. 

Isc. Der Lehrplan 21 ist in den letzten Monaten von links und rechts unter Beschuss geraten. In mehreren Kantonen sind wegen pädagogischer und politischer Vorbehalte Initiativen zustande gekommen, die eine Volksabstimmung erzwingen wollen – mit dem Ziel, das ehrgeizige Projekt der Eidgenössischen Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) zu stoppen.
Auch im Kanton Zürich könnte der Souverän das letzte Wort haben. Wie die Staatskanzlei am Freitag mitgeteilt hat, ist die Ende November von Pädagogen, Kinderärzten sowie rechtskonservativen und jungfreisinnigen Politikern eingereichte Initiative «Lehrplan vors Volk» mit mehr als 6000 geprüften Unterschriften zustande gekommen.

Unbeirrt weitermachen
«Nun hoffen wir, dass möglichst bald abgestimmt werden kann», sagt SVP-Kantonsrätin Anita Borer namens der Initianten. Die maximale Frist von der Einreichung bis zur Abstimmung beträgt 30 Monate. Konkret verlangt die Initiative, dass nicht wie üblich der Bildungsrat, sondern der Kantonsrat über die Einführung des neuen Lehrplans entscheidet. Da der Entscheid des Parlaments dem fakultativen Referendum unterstellt werden soll, könnte es letztlich zu einer Volksabstimmung kommen – und allenfalls auch zu einem «Nein» zu den Bestrebungen der EDK, die Bildungsziele in den 21 Deutschschweizer Kantonen mit einem Katalog von Hunderten «Kompetenzen» zu vereinheitlichen. Trotz diesen Fragezeichen treibt die Bildungsdirektion die Umsetzung des «Jahrhundertwerks» (so Ex-Bildungsdirektorin Regine Aeppli) voran, als wäre nichts geschehen. Man mache «unbeirrt» weiter, erklärte Volksschulamt-Chef Martin Wendelspiess vor einem Jahr dem «Landboten».
An dieser Devise hat sich nichts ge- ändert. Auch der Bildungsrat hat just eine Stunde vor der Einreichung der Initiative im letzten November entschieden, den neuen Lehrplan ab Schuljahr 2018/19 einzuführen. Eine Antwort auf eine Anfrage von Anita Borer und weiteren Kantonsräten, ob es angesichts der drohenden Abstimmung nicht angebracht wäre, die Einführung zu sistieren, ist der Regierungsrat bis dato schuldig geblieben. Dafür hat der Bildungsrat dem Zürcher Lehrmittelverlag verschiedene Lehrmittel in Auftrag gegeben, die auf den Lehrplan 21 ausgerichtet sind, etwa «Gesellschaften im Wandel» oder «Kinder begegnen Natur und Technik» Die Initianten empfinden das als Affront. «Man versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen, obwohl es noch gar keinen Auftrag gibt», sagt Anita Borer, «dabei wäre angesichts des Widerstandes ein Marschhalt angebracht.»

«What else?»
Fest steht, dass die Initiative keine aufschiebende Wirkung hat. Das Volksschulamt weist die Kritik aber auch inhaltlich zurück. In Sachen Lehrmittel gebe es keine scharfe Trennlinie «vor dem Lehrplan» und «mit dem Lehrplan», sagt Sprecherin Brigitte Mühlemann: «Der Anforderungskatalog für neue Lehrmittel war bereits vor dem Vorliegen des Lehrplans 21 in Richtung Kompetenzorientierung angelegt.» Zudem betont Mühlemann, dass der Lehrmittelverlag keine Subventionen beanspruche und sich selber finanziere – womit dem Kanton wegen der neuen Lehrmittel keine Mehrkosten entstünden. Tatsächlich werden andere die Kosten zu tragen haben, nämlich die Schulgemeinden. Sicher ist aber auch, dass der Kanton weiterhin für das unternehmerische Risiko des Verlags (mit)haftet. Denn die öffentlichrechtliche Institution soll zwar in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, Mehrheitsaktionär wird nach dem Willen der kantonsrätlichen Bildungskommission aber der Kanton bleiben. Völlig am Markt vorbei sollten neue Lehrmittel also nicht produziert werden.
An den pädagogischen Hochschulen ist die Vermarktung des langersehnten, weil Aufträge generierenden Lehrplans 21 derweil in vollem Gang. So bietet die PH Zürich Kurse und Workshops an mit Titeln wie: «Lehrplan 21 – Nachhaltige Ernährung macht Schule» oder: «Lehrplan 21 und Sexualpädagogik? What else?» Die rhetorische Frage aus der Nespresso-Werbung ist offensichtlich nicht nur in sexuellen Belangen Programm.

"Verein Schutzinitiative" kämpft gegen Sexualkundeunterricht

von der SDA vom 05.02.2016

Als „Verein Schutzinitiative“ will sich das Komitee der zurückgezogenen eidgenössischen Volksinitiative „Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule“ weiterhin für seine Anliegen einsetzen. Präsident des Vereins ist der ehemalige Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi.

Im Vereinsvorstand sitzen unter anderen die Nationalrätinnen Roberta Pantani (Lega/TI) und Verena Herzog (SVP/TG) sowie Nationalrat Sebastian Frehner (SVP/BS). Das teilte der Verein am Freitag nach seiner Gründungsversammlung von letzter Woche in Olten SO mit.

Der Verein setzt sich gemäss Statuten „aktiv für den Schutz vor Sexualisierung von Kindern in Kindergarten und Primarschule“ ein. Man bekämpfe den obligatorischen Sexualkundeunterricht für Kinder vor dem vollendeten neunten Altersjahr.

Eine altersgemässe Sexualaufklärung zur Vermittlung von Wissen über die menschliche Fortpflanzung und Entwicklung werde gutgeheissen, schrieb der Verein. Das gelte auch für den Unterricht zur Prävention von Kindsmissbrauch ab dem Kindergarten, sofern dieser Unterricht keine Sexualerziehung beinhalte.

Sitz des Vereins ist Münchenstein BL. Die offiziell zustande gekommene Volksinitiative war im vergangenen Juli zurückgezogen worden. Das Begehren habe allein durch das Zustandekommen „viel Schutzwirkung entfaltet“, hiess es.

 

Schutzinitiative zurückgezogen

Aus Idea Spektrum vom 22.7.2015

Münchenstein (idea) – Mit der Volksinitiative „Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule“ sollte dem Aufklärungsunterricht durch Kindergarten und Volksschule Einhalt geboten werden. Dies sei allein schon durch die Lancierung der Volksinitiative gelungen. Nun zieht das Komitee die bereits zustande gekommene Initiative wieder zurück. Man sei zur Überzeugung gelangt, es sei besser „nicht die kurzfristige Entscheidung an der Urne zu suchen, sondern die Kräfte in einer langfristigen Kampagne mit Schutzfunktion für Kinder bis zum vollendeten neunten Altersjahr und darüber hinaus zu bündeln“. Dies teilt das Initiativkomitee auf seiner Webseite mit. Zum Komitee gehören Nationalrat Sebastian Frehner, alt Natiolrätin Suzette Sandoz und Nationalrätin Roberta Pantani.

Das Initiativkomitee wechselt nun seine Strategie und gründet den „Verein Schutzinitiative“. Dieser soll die weitere Entwicklung des Sexualkundeunterrichts in der Schweiz überwachen und die erforderlichen Massnahmen ergreifen, „um Auswüchse zu verhindern“. Die vierteljährliche Zeitschrift «Schutzinitiative aktuell» mit einer Auflage von 30’000 Exemplaren wird weiter geführt.

Als konkrete positive Veränderungen seit Lancierung der Volksinitative nennt das Komitee unter anderem die breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit und den Umstand, dass sich Bund und Kantone veranlasst sahen, sich mit der vom BAG propagierten Einführung von Sexualkundeunterricht ab Kindergarten zu befassen.

Vor dem Rücknahme-Entscheid hat das Initiativkomitee eine repräsentative Meinungsumfrage in Auftrag gegeben. Diese ergab, dass derzeit alle von der Volksinitiative formulierten Anliegen von einer Mehrheit der stimmberechtigten Bevölkerung unterstützt werden. Das wäre ein gutes Signal für die Durchführung einer Volksbefragung gewesen. Trotzdem wird die Initiative nun zurückgezogen. Es sei zur Überzeugung gelangt, besser keine kurzfristige Entscheidung an der Urne zu suchen, sondern die Kräfte in einer langfristigen Kampagne zu bündeln. Die Umwandlung des Komitees in einen Verein und die Fortsetzung der operativen Tätigkeiten durch diesen Verein hätten das Komitee fast einstimmig bewogen, diesen Strategiewechsel gutzuheissen.

«Sexualkundeunterricht würde sonst künftig anders aussehen»

Peter Föhn setzt sich zurzeit für die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» ein. Bereits jetzt sagt er: «Ziel erreicht!»

OLIVER BOSSE

Ein Initiativkomitee rund um den Schwyzer Ständerat Peter Föhn hat vor einiger Zeit die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» lanciert. Sie fordert unter anderem, dass Sexualkunde erst ab dem vollendeten neunten Altersjahr unterrichtet werden darf und auch danach für eine gewisse Zeit freiwillig bleibt. Bei der Vorbesprechung im Parlament hatte die Initiative bisher allerdings einen schweren Stand. Sowohl im National- als auch im Ständerat sprach man sich deutlich dagegen aus.

Föhn will Rückzug der Initiative
Für Föhn kein Grund sich aufzuregen, im Gegenteil. Der Ständerat spricht von einem Erfolg: «Was den Kanton Schwyz und die ganze Innerschweiz betrifft, haben wir unser Ziel bereits erreicht», erklärt er. Bevor man die Initiative lanciert habe, seien nämlich auch im Kanton Schwyz Bestrebungen im Gang gewesen, schon früher als heute mit Sexualkunde zu beginnen. «Ich habe das inoffiziell erfahren», sagt Föhn. Dank der Initiative sei man dann aber – gerade im Hinblick auf den Lehrplan 21 – nochmals über die Bücher gegangen und habe einige Anpassungen vorgenommen. «Sonst würde der Sexualkundeunterricht auch im Kanton Schwyz künftig anders aussehen», ist Föhn überzeugt. Nun will er sich sogar dafür einsetzen, dass die Initiative zurückgezogen wird. «Bald steht die nächste Sitzung an», verrät Föhn. Ob die Initiative tatsächlich zurückgezogen wird, hängt nun unter anderem davon ab, ob sie auch in den anderen Kantonen schon den vom Komitee gewünschten Effekt erzielt hat. Denn solange die Initiative nicht angenommen wird, kann nach wie vor jeder Kanton selbst entscheiden, wie er das Thema Sexualkunde angeht.
Allen Anfang nahm diese Geschichte im Kanton Basel-Stadt. Dort wurde vor einigen Jahren ein sogenannter Sexkoffer mit Unterrichtsmaterialien für die Sexualkunde eingeführt. Beim Amt für Volksschulen und Sport des Kantons Schwyz kann man die Hysterie in Sachen Sexualkunde nicht nachvollziehen. «Im Kindergarten sowie zu Beginn der Primarschule werden im Kanton Schwyz keine sexualkundlichen Themen behandelt», sagt Reto Stadler, Leiter Schulentwicklung und -betrieb. Und er betont: «Daran wird sich auch im Hinblick auf den Lehrplan 21 nichts ändern.» Sowieso ist im Lehrplan gar nicht festgelegt, wie viele Lektionen und ob überhaupt Lektionen für Sexualkunde in Anspruch genommen werden. Das liegt im Ermessen des Lehrers.

Ständeratskommission gegen Einschränkung des Sexualkundeunterrichts

Die Bildungskommission des Ständerats lehnt die Initiative zum Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten
und Primarschule ohne Gegenstimme ab. Ausschlaggebend bei dem Entscheid war die problematische
Umsetzung und die Autonomie der Kantone im Bildungsbereich.

Ausserdem stellt Sexualkundeunterricht, der an den Volksschulen erteilt wird, nach Ansicht der Kommission
einen wirksamen Schutz vor sexuellen Übergriffen, Teenagerschwangerschaften und sexuellen Krankheiten
dar, wie es in einer Mitteilung der Parlamentsdienste vom Freitag heisst.

Der Nationalrat hatte die Initiative im März mit grosser Mehrheit zur Ablehnung empfohlen. Diese verlangt,
dass Sexualkunde in der Schule erst ab dem neunten Altersjahr unterrichtet werden darf. Unterricht zur
Prävention von Kindsmissbrauch wäre aber schon ab dem Kindergarten möglich. Danach soll der
Sexualkundeunterricht bis zum vollendeten zwölften Altersjahr freiwillig sein.

Auslöser für die von rechtskonservativen Kreisen lancierten Initiative war der sogenannte „Sex-Koffer“, der in
baselstädtischen Schulen zum Einsatz gekommen war. Er enthielt Material für den Sexualkundeunterricht,
was eine erregte Debatte über das Thema auslöste.

01.05.2015 – sda Die Nachrichtenquelle

Leserbrief: Zur Sexualkunde an Schulen

Aus dem St. Galler Tagblatt vom 16.4.2015

Die Informationen in dieser Zeitung vom 3.und 5. März dieses Jahres zum Sexualkundeunterricht an den Schulen sind oberflächlich. Die Notwendigkeit des Sexualkundeunterrichts ist zu bejahen, aber über das Entscheidende – die Art und Weise der Ausführung – wird kein Wort verloren. Dabei sind Fakten vorhanden:
Im Folgenden einige Ausschnitte aus dem Methodenbuch «Sexualpädagogik der Vielfalt», 2. Auflage 2012, das in Basel bereits angewendet wird:
Seite 75: Der neue Puff für alle: Die Schüler setzen sich mit Sexualitäten und deren Lusterfüllung auseinander […] Berücksichtigung vielfältiger Lebens- und Liebesweisen […].
Seite 99: Warum werden Menschen heterosexuell?
Seite 122: Voll Porno […] die bisherigen Erfahrungen der Teilnehmenden mit der Pornographie sind zu berücksichtigen. […]. Gespräch über den eigenen Pornokonsum […].
Meine Bemerkungen dazu: In der Schule sollen Kinder aufgeklärt werden, aber mit Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes und seiner Intimsphäre. Aufklärung heisst beispielsweise, den Schülerinnen und Schülern die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen zum Pornokonsum mitzuteilen. Die eigentlichen Motive sind Frust und Langeweile im Alltag, dem man entfliehen möchte.
Die Jugendlichen kennen Pornos, aber detailliert darüber zu diskutieren verletzt ihre Intimsphäre und macht den Konsum zur Normalität. Als Argument wird oft genannt, dass die Schüler über ihr Handy sowieso Pornos sehen können. Aber gerade deshalb ist es wichtig, die dahinterliegenden Motive aufzuarbeiten, anstatt sich auf die gleiche Ebene zu begeben. Denn dann findet Sexualisierung und nicht Aufklärung statt.
Ebenso wenig hilft diese Art des Unterrichts dem Kind, zu unangenehmen Berührungen «Nein» zu sagen. Dazu ist der Schüler viel eher in der Lage, wenn ihm auch in der Schule Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht wird – wenn er Selbstvertrauen entwickelt hat und sich traut, eine eigene Meinung zu vertreten.

Gisbert Otto
Waldeggstrasse 24, 9500 Wil

Schwerpunkt gescheiter auf die Staatskunde legen

Statt «Porno» als Schulfach einzuführen – ein Thema das die Schüler im Übrigen bereits aus dem Effeff kennen -, würde man besser die Schwerpunkte mehr auf Staatskunde legen. Die Jungen dazu animieren, sich mehr politisch zu interessieren. Wie funktioniert das Stimm- und Wahlwesen? Warum gibt es immer wieder Kriege? Wie fülle ich eine Steuererldärung aus? Und so weiter. Es gibt sicher eine lange Liste von sehr interessanten Wissensgebieten, die mehr bringen, als den Jungen beibringen zu wollen, wie man den Geschlechtsverkehr vollzieht! Wie gesagt, das wissen die ohne das Zutun der Schulen.

CIPRIANO BERTOLI, MUTTENZ

Basellandschaftliche Zeitung, 25.03.2015

Sexualkunde: Übers Ziel hinausgeschossen

Der Sexualkundeunterricht in der Schule als Ergänzung zur Aufklärung durch die Eltern ist unbestritten und wichtig: Sexuellen übergriffen, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten muss präventiv durch Aufklärung entgegengewirkt werden. Aber die «Sexualisierung unserer Gesellschaft» hat in Kindergärten nichts zu suchen! Ein Kind soll frei von jeglichem Drang, sich mit der Sexualität auseinandersetzen zu müssen – ohne dass es von sich aus dafür bereit ist – aufwachsen dürfen. Ist eine Neugier da, soll darauf eingegangen werden, sowohl von Eltern als auch von Lehrerinnen und Lehrern. Aber kein Kind, welches noch nicht bereit dafür ist, darf dazu gezwungen werden. Aufklärung ist wichtig und kann vor sexuellen Übergriffen schützen. Doch Missbrauchsprävention ist keinesfalls mit sexueller Aufklärung gleichzusetzen. Ein Kind braucht kein detailliertes Bild eines Geschlechtsteils um zu wissen, dass Fremde es nicht an Intim- zonen berühren dürfen. Im übrigen werden sexuelle Übergriffe nicht nur von Erwachsenen verübt. Auch unter Kindern und jugendlichen kommen diese vor und können gravierende Schäden in der Psyche eines Kindes anrichten. Lässt man Kinder im Kindergarten mit Plüschpenissen und Plüschvaginal spielen, wird nichts anderes erreicht, als dass solche Vorfälle sogar provoziert werden. Mein Sohn soll im Kindergarten mit Autos spielen und Bilder von Regenbögen malen, und sich keine Gedanken über Geschlechtsverkehr machen müssen!

Elias Meier,
Präsident JCVP Sursee,
JCVP Kantonsratskandidat
Nottwil
Anzeiger Michelsamt, 19.03.2015