Grundlagen für Sexualpädagogik und Prävention auf dem Prüfstand

Bundesrat will Expertengruppe einsetzen

Der Bundesrat will die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von einer Expertengruppe
untersuchen lassen. Diese soll auch die Grundlagen und Materialien unter die Lupe nehmen, auf welche die
Stiftung Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGS) ihre Präventions- und Pädagogikangebote stützt.

Der Bundesrat ist bereit, ein Postulat des Tessiner CVP-Nationalrats Fabio Regazzi anzunehmen. Dieser
hatte Zweifel an den Aussagen des Bundesrats angemeldet, dass die sexualisierten Bilder der “Love Life”-
Kampagne Minderjährigen nicht schadeten und auch keinen Einfluss auf die sexuelle Entwicklung hätten.

Der Bundesrat stützte sich dabei auf die Auffassung der SGS, mit welcher das Bundesamt für Gesundheit
zusammenarbeitet. Deren Thesen zur sexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen seien aber unter
Experten sehr umstritten, kritisiert Regazzi. Er fordert den Bundesrat daher auf, diese Grundlagen durch eine
unabhängige Expertenkommission aus Medizinern, Entwicklungspsychologen und Allgemeinpädagogen
überprüfen zu lassen.

Der Bundesrat ist bereit, den Auftrag entgegenzunehmen, wie er in der am Donnerstag veröffentlichten
Postulatsantwort schreibt. Er erinnert daran, dass sich viele Experten und Organisationen in der Schweiz auf
die von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelten Standards zur Sexualaufklärung stützten. Er sei
aber bereit, die wissenschaftlichen Grundlagen in dem Bereich zu vertiefen.
An öffentlicher Aufmerksamkeit hat es der “Love Life”-Kampagne nicht gefehlt: Der Film dazu wurde über eine
Million Mal angeschaut, die Website verzeichnete 365’000 Besucher, wie der Bundesrat in der Antwort auf
eine Interpellation von Nadine Masshardt (SP/BE) schreibt. Das “Love Life”-Manifest sei 170’000 Mal
unterzeichnet worden.

In einer Befragung des Instituts GfK bei 600 Personen in der deutschen und französischen Schweiz im Herbst
2014 konnten sich 80 Prozent der Personen daran erinnern, die Kampagne gesehen zu haben. 81 Prozent
aller Befragten unterstützen sie. Es sei gelungen, HIV und Safer Sex als wichtiges Thema in der öffentlichen
Diskussion zu halten, schreibt der Bundesrat.

sda die Nachrichtenquelle, 12.02.2015